Ökokorrekt bestatten jenseits der ausgetretenen Pfade

Die neue Bestattungskultur in der NaturBestattungswälder sind Teile eines Waldes mit einer Sonderzulassung als Begräbnisstätte. Hier wird die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen an Baumwurzeln beigesetzt. (Quelle: djd/FriedWald/Thomas-Gasparini)

Die prominentesten Arten der Naturbestattung sind die Baum-, Wiesen und Seebestattung. Neben dem Zurück-zur-Natur-Gedanken schätzen viele Menschen auch die Pflegefreiheit der Grabstätte.

Laut Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. macht der Anteil der Erdbestattungen in Deutschland ca. 45,5 % und Feuerbestattungen ca. 54,5 % aus. Davon sind ca. 2,5 % Seebestattungen und 5 Prozent anonyme Bestattungen.

 

Waldbestattung

Bei einer Baumbestattung, der aktuell populärsten Art der Naturbestattung, wird die Asche des Verstorbenen im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Marktführer bei Bestattungswäldern sind FriedWald und RuheForst, doch auch immer mehr regionale, kommunale und privatwirtschaftliche Initiativen gründen Naturfriedhöfe. Die Bestattungswälder sind Teile eines Waldes mit einer Sonderzulassung als Begräbnisstätte. Hier wird die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen an Baumwurzeln beigesetzt. Der Begräbniswald Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis ermöglicht laut Website des Schweizer Unternehmens Oase der Ewigkeit als erster öffentlich-rechtlicher Begräbniswald in Deutschland auch, die Asche eines Verstorbenen im Waldboden ohne Urnengefäß einzustreuen.

In den meisten Bestattungswäldern werden die Einzel- Gemeinschafts- oder Familienbäume mit einer kleinen Namenstafel und Nummer zur Orientierung als Grabstätte markiert. Die Grabpflege wird der Natur überlassen, damit der Wald in seinem ursprünglichen Zustand bleibt. So sind auch Grabschmuck wie Gestecke, Kerzen, Kränze oder Erinnerungsgegenstände tabu. Die Beisetzung kann individuell gestaltet werden. Die Nutzungsrechte für Bäume und Baumgruppe unterscheiden sich je nach Anbieter und Preiskategorie.

 

Die neue BEstattungskultur in der Natur
Bestattungswälder sind Teile eines Waldes mit einer Sonderzulassung als Begräbnisstätte. Hier wird die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen an Baumwurzeln beigesetzt. (Quelle: djd/FriedWald/Thomas-Gasparini)

 

Freie Natur in Friedhofsmauern

Doch auch immer mehr Friedhöfe bieten Baumbestattungen innerhalb ihrer Mauern an und werben unter anderem mit der Anbindung an die öffentliche Infrastruktur. Eine Beisetzung auf dem Friedhof trägt besonders in Städten dazu bei, dass Friedhöfe als Grün- und Naherholungsflächen erhalten bleiben.

Waldgräber für die Urnenbeisetzung sind beispielsweise in Hamburg-Blankenese und auf zahlreichen weiteren Friedhöfen in Deutschland möglich. In Blankenese sind die Gräber verschiedenen Baumgruppen zugeordnet und werden als Urnengemeinschaftsgrab oder als Wahlgrab für zwei oder mehr Urnen vergeben. Hier kann man unter großen Eichen, Lärchen, Birken, Buchen, Eiben und zwischen Ilexbüschen seine letzte Ruhe finden. Auf Gedenktafeln an zentraler Stelle werden die Namen der Verstorbenen verewigt. Für naturnahe Bestattung von Särgen steht ein anderer Bereich am  Fuße niedriger, bepflanzter Wälle zur Verfügung. Ein kleiner Findling mit den Namen der Verstorbenen kann auf das Grab gelegt werden. Das gesamte Grabfeld ist als natürliche Blumenwiese angelegt. Rasengräber auf Friedhöfen eignen sich sowohl für die Beisetzung von Urnen als auch für die Beisetzung von Särgen.

Auf einigen Friedhöfen können die Angehörigen die Grabstelle zur Kennzeichnung mit einer Grabplatte versehen. Rasengräber für Sarg- wie für Urnenbestattungen auf Friedhöfen wie etwa in Blankenese sind Grabstätten ohne Pflegeverpflichtung. Die Gräber werden ganzflächig mit Rasen eingesät, eine Platte mit den Namen der Verstorbenen kann hier bündig im Rasen verlegt werden.

Einige Bestatter bieten Almwiesenbestattungen oder auch Felsenbestattungen in der Schweiz an, wo es keinen Friedhofszwang gibt. Hier ist die Aufstellung eines Grabsteins oder Grabkreuzes jedoch nicht möglich.

 

Aus der Asche wächst ein Baum

Ortsunabhängig ist die so genannten Tree of Life-Baumbestattung: Die Asche des Verstorbenen wird schrittweise in ein speziell entwickeltes Vitalerde-Substratgemisch gegeben, in welches der vorher ausgewählte Wunschbaum gepflanzt wird. In einer mindestens halbjährigen Durchwurzelungszeit absorbiert der Baum laut Hersteller die Nährstoffe aus der Asche. Aufgrund des Friedhofszwangs in Deutschland ist diese Art der Bestattung  nur in spezialisierten Vertragsunternehmen in Ländern wie zum Beispiel der Schweiz, der Tschechischen Republik oder den Niederlanden, durchgeführt. Dort wird die Urne nach der Einäscherung und Trauerfeier in Deutschland unter notarieller Beaufsichtigung geöffnet, bevor die Asche in einer Spezialbaumschule beigesetzt wird. Ist der Baum pflanzfertig, übergibt ihn der beauftragte Bestatter mit den jeweiligen Beisetzungsdokumenten an die Hinterbliebenen zur persönlichen Abschiednahme. Wo der Baum eingepflanzt wird und künftig als Gedenkplatz dient, entscheiden die Hinterbliebenen. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit die Pflanzung durch den Bestatter in Erinnerungshainen, Begräbnisforsten oder speziell ausgewiesenen Naturschutzgebieten im In- oder Ausland auch anonymisiert vornehmen zu lassen.

Friedhöfe in Wälder zu verwandeln – aus dieser Idee entstand ein ähnliches Konzept, das laut Hersteller nicht nur Kosten und Platz spart, sondern auch die Umwelt schont, verfolgt das spanische Unternehmen Bios Urn. Die Urne ist zu hundert Prozent biologisch abbaubar, besteht aus Kokosnusschalen, komprimiertem Torf und Zellulose. Zunächst wird die Asche des Verstorbenen eingefüllt und mit Baumsamen, Torf und Pflanzennahrung bedeckt. Wenn die Urne nach dem Einsetzen in die Erde anfängt sich aufzulösen und die Samen Wurzeln schlagen, kommen diese mit der Asche in Berührung. Wählen können Interessierte zwischen Buche-, Esche-, Ahorn-, Ginkgo- oder Kiefer-Samen.

Zurzeit entwickeln die Spanier passend zur Bio-Urne einen Inkubator: ein Pflanzgefäß mit integriertem Sensor, der die Vitalfunktionen des Sämlings überwacht und es Hinterbliebenen ermöglicht, die optimalen Wachstumsbedingungen per Smartphone-App zu überwachen.

 

Unter dem Meeresspiegel

Bei einer Seebestattung wird die Asche des Verstorbenen im Meer beigesetzt. Eine See- oder Flussbestattung ist laut Dieter Albrecht, Gründer der gleichnamigen Seebestattungs-Reederei, mittlerweile in allen deutschen Gewässern möglich – seit es spezielle Seeurnen gebe, die sich auflösen.

„Während einige Menschen nach ihrem Tod in die Nähe eines Sehnsuchts- oder Urlaubsort am Mittelmeer oder Atlantik zurückkehren möchten, ist der Gedanke an eine Rückkehr ins Meer bei den meisten vorherrschend“, weiß Dieter Albrecht aus zahlreichen Trauergesprächen. „Für viele schließt sich da ein Kreis.“

Nach der Einäscherung wird die Asche in eine spezielle Seebestattungsurne gefüllt und dem Meer übergeben. Die Urne muss aus vollständig auflösbarem Material bestehen, zum Beispiel aus Muschelkalk, Salzkristallen oder Pappmaché. Da Aschenkapseln überwiegend aus Metall oder Kunststoff bestehen, wird die Asche vor der Beisetzung umgebettet und in einer Papiertüte in eine Seeurne gesetzt. Beim Blumenschmuck wird meist auf größere Kränze oder Gebinde verzichtet; einzelne Blumen ins Wasser zu geben, ist jedoch möglich. Die Koordinaten der Urnenbeisetzung werden in einem Logbucheintrag festgehalten. Eine Gedenkstätte an Land hilft bei der Trauerbewältigung.

Nachdem die Urne dem Wasser übergeben wurde und sich aufgelöst hat, lagert sie sich als kleines Häufchen auf dem Sediment am Meeresboden ab. Nach einer Weile bedeckt Meeressand die Asche auf natürlich Weise. Ökologischer Vorteil gegenüber einer Bestattung an Land: Es werden Ressourcen geschont, da keine Liegestätte auf dem Friedhof benötigt wird. In den USA hat „The Neptun Society“ an der Küste Floridas das „Neptune Memorial Reef“ geschaffen: Aus Phosphaten und Carbonaten von Kremationsasche, Zement und Sand wurde ein Riff gestaltet, das Korallen und Meerestieren einen neuen Lebensraum bietet. Der Bestatter fertigt die Mischung nach Wunsch des Verstorbenen an, ehe Taucher es samt Bronzetafel mit Namen und Lebensdaten in das Riff integrieren. Angehörige können den Tauchgang begleiten und später verfolgen, wie Korallen auf dem „Grab“ gedeihen.

 

Gebäude-Upcycling: die Grabeskirche

Die Bestattung in einer Grabeskirche, wie beispielsweise St. Bartholomäus in Köln, ist zwar nicht „grün“, passt jedoch durchaus zum Nachhaltigkeitsgedanken und verfolgt das Prinzip des Upcycling: Ein bereits vorhandenes Gebäude, hier eine säkularisierte Kirche, wird einer anderen als der ursprünglichen Nutzung zugeführt und dient einem neuen Zweck. Da die Urnen in Urnenwände eingelassen werden, schaden sie weder dem Boden noch dem Grundwasser.

 

Edel: Aus der Asche wird ein Stein

Bei der Diamant-, Kristall- oder Rubinbestattung wird aus Haaren oder Asche eines Verstorbenen im Labor Kohlenstoff extrahiert und gepresst. Da die Diamanten im Labor hergestellt werden, werden für ihre Herstellung keine Menschen versklavt, ausgenutzt oder misshandelt, wie häufig beim Abbau natürlicher Diamanten. Die restliche Asche wird allerdings üblicherweise in einem Urnengrab beigesetzt.