Erster Marktüberblick zum digitalen Erbe

Digital Danach

Mit welchen Diensten können Nutzer für ihren eigenen digitalen Nachlass vorsorgen? Ein Marktüberblick verhilft zum Durchblick.

Seit dem Facebook-Urteil ist das Thema digitaler Nachlass wieder in aller Munde. Zu Recht fragen sich online aktive Menschen, wie sie vorsorgen können und wer ihnen dabei hilft. Beim unabhängigen Informationsportal digital-danach.de ist nun der erste Überblick zu deutschen Vorsorgelösungen erschienen. Die Betreiber Sabine Landes und Dennis Schmolk haben neun Portale untersucht und die Ergebnisse unter www.digital-danach.de/ueberblick-vorsorge veröffentlicht.

 

Neun Vorsorgeplattformen für den digitalen Nachlass im Überblick

Der digitale Nachlass eines Menschen umfasst alle digitalen Lebensbereiche, die er hinterlässt, wenn er stirbt: E-Mail-Accounts, Dateien, Social-Network-Profile bis hin zu Bitcoin und anderen Digitalwährungen. Verbraucherschützer raten regelmäßig dazu, vorzusorgen.

Seit einigen Jahren gibt es Anbieter, die dem Nutzer technische Lösungen hierfür bereitstellen. Für die Online-Übersicht wurden Exmedio, Digital Heritage, lastHello, LifeCompanion, Meminto, Somnity, TheVitalThings, Vorsorgeplattform24 und der Digitalen Nachlassplaner der LV 1871diese auf Kriterien wie Sicherheit, Kosten und Funktionsumfang untersucht.

„Wir wollen mit diesem Marktüberblick Nutzern helfen, die für sie passende Lösung zu finden. Online-User haben verschiedene Bedürfnisse, und daher muss sich jeder fragen, ob er eine Vorsorgeplattform nutzen will – und wenn ja, welche“, erklärt Sabine Landes von digital-danach.de ihre Motivation.

 

Fazit: Keine One-Size-fits-All-Lösung

Die betrachteten Vorsorgeplattformen und -Apps bieten sehr unterschiedliche Möglichkeiten für den eigenen digitalen Nachlass. Von eher emotionalen „Tagebuchdiensten“, die eine bunte Biographie für die Hinterbliebenen anlegen, bis hin zu sicherheitszentrierten Datensafes sprechen sie verschiedene Nutzergruppen an.

Die Wahl des richtigen Dienstes ist von vielen Faktoren abhängig: Legt man den Schwerpunkt auf Rechtssicherheit, weil man absehen kann, dass es Streit zwischen den Erben geben wird? Steht eine schnelle, unbürokratische Abwicklung im Vordergrund? Wie hoch ist das Bedürfnis nach Cybersicherheit? Und nicht zuletzt: Wie viel Arbeit möchte man in das doch eher unangenehme Thema stecken?

Neben den vorgestellten Diensten gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten, vorzusorgen. „Eine individuelle Vorsorge mit digitalen und analogen Bausteinen könnte eine Alternative sein“, meint Dennis Schmolk von digital-danach.de. „Zum Beispiel mit verschlüsselten Dateien in einer Dropbox und einem sicheren Versteck für das Entschlüsselungs-Passwort. Oder man hinterlegt entsprechende Daten bei einem Anwalt oder Notar und lässt sich dort umfassend beraten.“

Um sein digitales Erbe zu regeln, muss man also eine Reihe wichtiger Entscheidungen treffen. Vorsorgeplattformen können dabei helfen, aber man sollte nicht alle Entscheidungen an sie delegieren. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf diese technischen Lösungsansätze.