Endlichkeit und Ewigkeit – Kleine Kulturgeschichte(n) um Grabmal-Symbolik

Grabmalsymbolik - BieneDer Biene ist schreibt man seit alten Zeiten allerlei Eigenschaften zu, vor allem Fleiß, Ordnungsliebe oder Reinheit.

Symbole zur Endlichkeit und Ewigkeit findet man schon auf jungsteinzeitlichen Gräbern, in bilderreichen ägyptischen Grabkammern und in den frühen Kulturen der Alten Welt. Von der Flüchtigkeit der irdischen Zeit mit der Darstellung der Sanduhr über die Vergänglichkeit mit dem Abbild des Totenschädels bis zu himmelwärts weisenden Engeln gibt es auch heute noch eine große Symbolfülle. Nicht alle Darstellungen erschließen sich so unmittelbar wie das im Abendland häufig dargestellte christliche Kreuz. Grabsteinsymbolik kann auch wie ein Bilderrätsel anmuten. Was sagen uns Kelch, Anker, Weide, Akazie, Ölzweig, Säule, Knochen, Hände, Schlange, Schmetterling, Flügel, um nur einige Metaphern zu nennen? Unsere Serie spürt die Kulturgeschichte der Symbole auf und geht deren Deutung nach.

 

Biene

Der Biene ist schreibt man seit alten Zeiten allerlei Eigenschaften zu, vor allem Fleiß, Ordnungsliebe oder Reinheit. In der Antike dachte man, dass die Bienen ihre Brut nicht selbst hervorbringen, sondern aus Blüten sammeln. So begriff man sie nach antiker Überlieferung noch im Mittelalter als Symbol für die „Unbefleckte Empfängnis“. Entsprechend haben die frühen Christen den Bienenkorb als Sinnbild für Maria gedeutet, die in sich „alle Süße“ (Jesus) trägt. Die Süße (den Honig) übersetzten die Mystiker mit Christi Milde und den Stachel der Biene als Zeichen für den Weltenrichter. Schließlich dachte man, die Bienen sterben im Winter und stehen wundersamer Weise im Frühjahr wieder auf, was sich unmittelbar als Symbol für Tod und Auferstehung verstehen ließ. Für Bernhard von Clairvaux war die Biene gar ein Symbol für den Heiligen Geist.

So formten sich die nicht haltbaren alten Deutungen zu einem Mythos, den die Naturwissenschaft heute leicht entzaubern könnte. Bei rd. 20.000 Bienenarten mit sehr unterschiedlichem Verhalten und differenzierten Sozialstrukturen darf man auch nicht mehr von „der“ Biene reden, wie man das früher gern tat.

Dennoch ist vieles von den alten Symbolwelten rund um Bienenstock und Bienen erhalten geblieben. Der Fleiß beispielsweise, oder der Ordnungssinn. Beide lassen sich aber auch weltlich deuten. Selbst dann, wenn wir sie auf Grabmalen finden. Möglicherweise deuten sie lediglich auf einen fleißigen Menschen hin. Vielleicht aber „sowohl-als-auch“. Bis weit ins letzte Jahrhundert hinein hat man aber das Symbol vor allem christlich verstanden und auf Grabmalen künstlerisch umgesetzt.

von Rudolf Wilhelm