Die letzte Fahrt auf dem Meer…

csm_sokaeiko_pixelio.de_58cd675358Letzte Fahrt auf dem Meer… © sokaeiko/pixelio.de

Die scheinbar unendliche Weite des Meeres übt auf viele Menschen eine große Faszination aus. Vor allem Seeleute fühlten sich damals wie heute auf dem Wasser zu Hause – da lag es nahe, sich im Tod endgültig mit dem Meer zu vereinen. Tatsächlich gehört die Seebestattung zu den ältesten Formen der Beisetzung.

 

Bereits während der Wikingerzeit, also 800 bis 1050 nach Christus, übergaben die zur See fahrenden Völker ihre Toten dem Meer. Das war vorwiegend aus hygienischen Gründen notwendig, denn die Verstorbenen konnten nicht wochen- oder gar monatelang auf dem Schiff verbleiben, um erst im nächsten Hafenstädtchen beigesetzt zu werden. So wurde der Seemann nach einer feierlichen Andacht in einem schlichten, mit Eisen beschwerten Holzsarg in den Fluten versenkt. Später wurde es Brauch, den Verstorbenen in ein Segeltuch einzunähen und über die Reling den Wellen zu übergeben. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war die Seebestattung fast ausschließlich Personen vorbehalten, die als Angehörige einer Schiffsbesatzung auf hoher See starben oder zumindest blieb sie als maritime Tradition den Seeleuten vorbehalten. Für Angehörige der Marine wurde diese Form der Bestattung oft mit militärischem Zeremoniell durchgeführt.

 

Persönliche Bindung

Erst seit Anfang der 70er Jahre ist die Seebestattung auch für „Normalsterbliche“ eine praktikable Möglichkeit für die letzte Ruhe. Allerdings wird diese Bestattungsform heute ausschließlich als Variante der Feuerbestattung, also als Urnenbeisetzung, durchgeführt. Dabei unterliegt die Seebestattung den Gesetzesregelungen der einzelnen Bundesländer und bedarf einer Sondergenehmigung, da sie nicht mit dem allgemeinen Friedhofszwang konform geht. Ausreichend für die Erteilung der Genehmigung ist der Nachweis eines „berechtigten Bedürfnisses“ – der Verstorbene muss also eine berufliche oder persönliche Beziehung zum Meer besessen haben. Und es scheint immer mehr Menschen zu geben, die eine solche Verbindung spüren: Laut einer statistischen Erhebung vom Fachverlag des Deutschen Bestattungsgewerbes aus dem Jahr 2009 liegt die Zahl der Seebestattungen inzwischen bei 2,5 Prozent. In dieser Statistik finden sich nicht nur Seeleute wieder. „Neben den beruflichen Seefahrern sind es häufig Menschen, die regelmäßig ihre Urlaube bei uns an der Küste verbracht haben und eine Art von Identifikation spüren“, berichtet beispielsweise Svenja Sturm von der Reederei Albrecht.

 

Trauern auf hoher See

Die Seebestattung vor den Küsten von Nord- und Ostsee ist hierzulande der Regelfall, wobei die Schiffe von Cuxhaven, Büsum, Flensburg, Kiel, Travemünde, Sassnitz oder anderen Häfen ablegen. Die Zeremonien an Bord sind unterschiedlich und es gibt sowohl Überfahrten im Beisein von Hinterbliebenen als auch „stille Beisetzungen“ ohne Trauergemeinde. Dabei werden häufig mehrere Urnen gleichzeitig auf hoher See versenkt. Bei der Entscheidung für eine Seebestattung spielen auch Kostengründe eine Rolle. „Die Seebestattung ist preiswerter als eine Erdbestattung“, erklärt Svenja Sturm. „Und vor allem fallen keine Folgekosten an.“ Genau dies ist jedoch – ähnlich wie bei der Anonymen Bestattung – für manche Hinterbliebene problematisch: Es fehlt ein Ort, an dem der Verstorbenen gedacht werden kann, wodurch die Trauer schwerer zu bewältigen ist. Aus diesem Grund finden regelmäßige Trauerfahrten zu den Beisetzungsplätzen in Nord- und Ostsee statt. Zudem gibt es Gedenkstätten oder Sammel-Gedenkfeiern.