Ab in den Orbit!

Ab in den OrbitIn dieser kleinen Kapsel geht ein Gramme Asche in den Orbit.

20 Jahre ist es her, dass vom Luftwaffenstützpunkt Gran Canaria aus erstmals 24 Miniurnen im Auftrag des Unternehmens Celestis ins Weltall gebracht wurden. Heute kooperiert das Pionierunternehmen unter anderem mit Bestattern in Deutschland, wie beispielweise Widmann Bestattungen. Das Stuttgarter Unternehmen betreut gerade eine letzte Reise ins All – wenngleich eine solch „abgehobene“ Bestattungsart nicht gerade an der Tagesordnung ist.

 

Herr Lettner, der Countdown läuft – bald wird ein Gramm der Asche Ihres Klienten in der Erdumlaufbahn um unseren Planeten kreisen. Doch auch vor dem Startschuss ins All war es bis zu der kurz bevorstehenden Weltraumbestattung eine lange Reise, oder? 

Allerdings. Bis der Satellit mit der Asche abheben kann, müssen sich Hinterbliebene auf bis zu zwei Jahre Wartezeit einstellen. Dies liegt daran, dass die Miniurnen als Zusatzgewicht zum Schutz von Steuersystemen und vor kosmischer Strahlung an einem Satelliten befestigt werden. Die Asche muss in der Regel bereits ein Jahr im Voraus integriert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt werden ca. 20 Gramm der Asche in einem Banktresor in Houston, Texas gelagert. In unserem aktuellen Fall ging allerdings alles ganz schnell. Als wir bei Celestis anfragten, wurde uns ein Stichtag für die Ablieferung der Asche bereits vier Wochen später avisiert! Zu dem Zeitpunkt mussten wir uns die Asche erst noch schicken lassen. Von Celestis bekamen wir ein spezielles Entnahmeset und einen geeigneten Behälter. Nach der Übersetzung der Verträge, diverser Deklarationen und Frachtpapiere war die nächste Hürde der Zoll am Zielflughafen Houston. Wir entschieden uns sicherheitshalber, die Asche per Luftfracht mit Lufthansa und mit einer bekannt zuverlässigen Spedition zu versenden. Sie sehen: Der Aufwand ist immens und für Hinterbliebene fast unmöglich, selbst zu organisieren.

 

Was passiert mit dem Rest der Asche?

Aus rechtlichen Gründen wird die Asche zunächst in die Schweiz überführt, wo ein Grabplatz auf einem Naturfriedhof erworben wird. In der Schweiz ist es zulässig, einen Teil der Asche zu entnehmen. Üblicherweise wird der Hauptanteil der Asche dann auch dort bestattet. Dann gibt es noch den Anteil, der nicht ins All geschickt wird, denn für den Fall eines Fehlstarts wird sicherheitshalber mehr Asche gelagert, als am Ende im All landet. Der Anteil, der nicht mit dem Satelliten oder einer Rakete abhebt, findet seinen Weg unter die Erde, in unserem aktuellen Fall in der Nähe der Startrampe von Cape Canaveral.

 

Gibt es weitere Möglichkeiten als das Umkreisen der Erdumlaufbahn mit einem Satelliten, etwa eine postume Mondlandung?

Ja, in der Tat planen wir gerade für eine schwerkranke Kundin eine Mondbestattung, die allerdings mit ca. 15.000 Euro wesentlich kostspieliger ist als die Satelliten-Variante. Der ungefähre Termin steht auch schon fest: Ende 2018 wird die nächste Raumkapsel in die Mondumlaufbahn geschossen – mit der Asche unserer Klientin. Dennoch kann immer etwas dazwischen kommen und für Angehörige, die live beim Start dabei sein sollen, ist das Ereignis schwer zu planen.

 

Gibt es eine Zeremonie für Hinterbliebene?

Ja, das Ganze dauert sogar drei Tage inklusive Begrüßung im Hotel, Trauergottesdienst und Start. Es gibt aber auch die Möglichkeit, diesen im Livestream am heimischen PC oder Smartphone zu verfolgen. Später dann kann man mit einem Trackingsystem online verfolgen, wann der Satellit und damit auch die Asche des Verstorbenen sich gerade über der eigenen Stadt befindet.

 

Welche Arten der Weltraumbestattung gibt es noch?

Insgesamt gibt es vier Möglichkeiten: Beim Earth Orbit Service werden die Aschereste in der Erdumlaufbahn platziert. Nach einigen Jahren tritt der Bestattungssatellit wieder in die Erdatmosphäre ein und verglüht harmlos wie eine Sternschnuppe als letzter Gruß. Bei der Mondbestattung wird die Asche auf der Mondoberfläche platziert; für eine Weltraumbestattung im Universum wird die Asche auf eine endlose Reise zu den Sternen geschossen. Die preisgünstigste Art umfasst lediglich einen ‚Ausflug‘ ins All: Es werden kleinere Raketen in den Himmel geschossen, die allerdings im Anschluss wieder auf der Erde landen. Dieser postume Weltraumtrip ist schon ab ca. 2.000 Euro möglich. Für die Satellitenbestattung, die wir gerade planen, sind 6.500 Euro für ein Gramm Asche auch noch recht günstig. Wollen Sie allerdings ein ganzes Kilo in den Orbit schießen lassen, sind Sie mit 1,5 Mio. Euro dabei. Sie sehen: Nach oben gibt es keine Grenze …

 

Weiterführende Links:

www.widmannbestattungen.de

www.celestis.com